Mein Kollege ist plötzlich vegan – ein Leitfaden

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Inhalt des Beitrags 📄

Neuer Kaffeeplausch, alte Kantine – und plötzlich ist „vegan“ Thema. Was heißt das für gemeinsame Lunches, Team-Events, Geburtstage, Geschäftsreisen? Dieser Leitfaden hilft dir (und dem Team), respektvoll und pragmatisch zu bleiben, damit Zusammenarbeit und Stimmung gut sind – ohne Grundsatzkrieg.

1) Erst verstehen, dann reagieren

„Vegan“ kann vieles meinen:

  • Nur Ernährung: rein pflanzlich essen, ansonsten wenig Änderung.
  • Werte/Identität: Tierschutz, Klima, Fairness – Wunsch nach Konsequenz.
  • Aktivismus privat: Posts, Demos, Gespräche (nicht zwingend im Büro).

Frag offen – nicht prüfend:

  • „Was brauchst du in der Kantine/bei Team-Essen, damit es entspannt ist?“
  • „Gibt’s No-Gos (z. B. bestimmte Gerüche/Produkte) oder passt’s, wenn wir Rücksicht nehmen?“
  • „Wollen wir eine kleine Liste mit veganen Spots für’s Team anlegen?“

Signal: Interesse statt Ironie. Das öffnet Türen.

2) Die ersten 72 Stunden – Do’s & Don’ts

Do

  • Anerkennen: „Gut, dass du’s sagst – lass uns das gemeinsam easy machen.“
  • Zwei veganfreundliche Restaurants vorschlagen (italienisch, vietnamesisch, indisch, libanesisch…).
  • In der Kantine vorher kurz fragen lassen, welche Optionen es gibt.

Don’t

  • Witze à la „Guten Appetit, Gras“.
  • Sofortige Faktenkriege („Protein! B12!“) im Großraumbüro.
  • Ultimaten („Dann komm halt nicht mehr mit“).

3) Büro-Küche & Kantine – friktionsarm statt perfekt

Gemeinsame Küche

  • Zwei Zonen: „pflanzliche Ecke“ (Brett/Messer/Box) und „neutral“.
  • Beschriftung: Reste/Boxen klar markieren (z. B. „vegan“).
  • Respekt an Geräten: Kein „Scherz mit Bröseln“ im Toaster/Ofen.

Kantine

  • Fragt freundlich nach Piktogrammen (V/VG) und Beilagen-Baukasten (Reis, Kartoffeln, Salate, Gemüse + Hülsenfrüchte/Tofu wenn möglich).
  • Ein „Standard-Plan B“ hilft: Ofenkartoffel + Salat + Brot + Öl/Essig; Pasta mit Tomate; Asia-Gemüse mit Reis.

4) Meetings, Team-Events, Geschäftsreisen

Meetings & Catering

  • Immer eine vollwertige vegane Option einplanen (nicht nur Salat).
  • Snacks: Nüsse, Obst, dunkle Schoki, Hummus & Gemüse, vegane Sandwiches.

Team-Events

  • Restaurantwahl im Doodle mit Hinweis „vegane Option nötig“.
  • Grillen? Mezze-/Taco-Bar, Ofengemüse, vegane Würstchen/Burger – Hauptsache unkompliziert.

Business Travel

  • Vorab Hotel-Frühstück klären (Pflanzendrinks, Obst, Brot, Erdnussbutter, Aufstriche).
  • Expense-Policy: vegane Optionen sind gleichwertige Geschäftsessen.

5) Kommunikation, die Zusammenarbeit schützt

Drei Mikro-Regeln

  1. Ich-Botschaften statt Du-Schuld: „Ich brauche Klarheit, was passt“ statt „Du machst alles kompliziert“.
  2. Kontext beachten: Grundsatzgespräche nicht in der Runde starten – lieber 1:1 in Ruhe.
  3. Humor mit Herz: Lachen ja, Spott nein.

Mini-Skripte

  • „Magst du die Location aussuchen, die für dich passt? Wir ziehen mit.“
  • „Lass uns 10 Minuten über Essen reden – danach wieder Projekt X.“
  • „Ich koche beim Potluck gern vegan – sag mir ein Gericht, das du liebst.“

6) Geschenke, Geburtstage, Team-Rituale

  • Sicher schenken: dunkle Schokolade, Nussmus, Kaffee/Tee, Obstkorb, Gewürz-Set, Restaurantgutschein, vegan gelabelte Snacks.
  • Geburtstagskuchen: Vegane Variante einplanen oder zwei Optionen bringen.
  • Rituale behalten, nur anpassen: Gleiche Stimmung, neue Zutaten.

7) Wenn Aktivismus ins Büro schwappt

Privates Engagement ist okay – aber das Büro ist kein Debattenstudio.

Team-Regeln helfen:

  • Kein Missionieren in Meetings/Chats.
  • Respekt für unterschiedliche Entscheidungen.
  • Bei Konflikten: 1:1 klären, notfalls mit Führung/HR moderieren.
  • Orientierung an Hausregeln/Code of Conduct (Wertschätzung, Anti-Diskriminierung).

Frühwarnzeichen, dass es kippt

  • Monothematische Gespräche, Ultimaten („entweder… oder…“), Abwertung.
  • Spannungen bei Team-Essen/Events, Rückzug Einzelner.

Gegenmaßnahmen

  • Rahmen setzen („Heute fachlich, Essen kurz am Anfang klären“).
  • Rotierende Restaurantwahl / zwei Optionen parallel.
  • Moderation anbieten („Was ist heute eine 8/10-Lösung für alle?“).

8) Grenzen – freundlich, aber klar

Deine Bedürfnisse zählen auch:

  • „Ich respektiere deine Haltung – bitte respektiere meine Essenswahl.“
  • „Ich komme gern mit, brauche aber keine Schockvideos beim Lunch.“
  • „Ich koche gern mal vegan, aber nicht jedes Mal.“

Grenzen schützen die Zusammenarbeit – sie sind kein Angriff.

9) 30-Tage-Plan für ein entspanntes Team

Woche 1 – Orientierung

  • Kleine Team-Notiz: „Vegane Option künftig standardmäßig“.
  • Liste mit 3 veganfreundlichen Restaurants.

Woche 2 – Routine

  • Erstes Team-Lunch mit klaren Optionen.
  • Catering-Checkliste an Einkauf/Assistenz.

Woche 3 – Balance

  • Potluck/Teamkaffee mit zwei Kuchen (einer vegan).
  • Miniretro: Was lief gut? Was fehlt?

Woche 4 – Feinjustierung

  • Fixe Standards festhalten (Kantine, Events, Reisen).
  • „Buddy-Prinzip“: Wer plant, denkt an alle mit – rollierend.

10) Mini-Ideen für Büro-Lunch & Snack

  • Bowls (Reis/Quinoa, Ofengemüse, Kichererbsen, Tahin-Zitrone)
  • Pasta mit Tomate, Oliven, Kapern; Hefeflocken on top
  • Wraps mit Bohnenchili/Hummus, Salat, Avocado
  • Suppen (Linsen, Kürbis, Tomate-Kokos)
  • Snacks: Nüsse, Obst, Hummus & Crudités, Oliven, Cracker

11) Wenn es doch knirscht

  • Erst beobachten und benennen („Mir fällt auf, dass…“).
  • Lösungsfrage: „Was wäre für dich heute eine gute Kompromiss-Option?“
  • Bleibt es festgefahren: Führung/HR um moderiertes Gespräch bitten – Fokus auf Zusammenarbeit, nicht Weltanschauungen.

Fazit

Ein Kollege wird vegan – und? Das ist vor allem eine Organisationsaufgabe, keine Weltanschauungsprüfung. Mit Respekt, ein paar klaren Absprachen und etwas Kreativität bleibt das Wichtigste stabil: Teamgeist, Produktivität und gute Laune.

Quellen

  • Academy of Nutrition and Dietetics – Positionspapiere zu vegetarischer/veganer Ernährung (kritische Nährstoffe, Alltagsorganisation).
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Stellungnahmen zu veganer Ernährung.
  • NHS / National Institutes of Health (NIH) – Basisinfos zu Vitamin B12, D, Jod, Eisen, Omega-3.
  • Social Identity Theory (Tajfel/Turner) – Gruppenidentität, In-/Outgroup-Dynamiken in Teams.
  • Forschung zu moralischem Stress & respektvoller Kommunikation im Arbeitskontext (organisationspsychologische Übersichten).
  • Diversity- & Inclusion-Guidelines (allgemeine HR-Standards zu wertschätzender Zusammenarbeit).

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Vegan leben: ohne Entfremdung und Identitätsverlust

Mein Name ist Alexander – und aus einem tiefen persönlichen Verlust heraus wurde dieses Projekt geboren. Was einst eine enge, vertraute Verbindung war, zerbrach Stück für Stück – nicht an fehlender Liebe, sondern an einer Mauer aus Überzeugungen, die immer höher wurde.

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