Wie alles begann...

💔 Meine Geschichte

Phase 1 – Wir

2019 lernte ich Marta (Name geändert) kennen. Es war wie Liebe auf den ersten Blick. Wir fanden zueinander und führten schließlich eine erwachsene, unperfekte, aber liebevolle und innige Beziehung – mit all ihren Hochs und Tiefs.

Wir haben immer mal wieder darüber geschwärmt, zusammen alt zu werden… Nicht aus Naivität, aus innigstem Wunsch.

Wir gaben einander Halt – besonders in schwierigen Zeiten. Ich war für sie da, als sie mit Angstzuständen kämpfte, und versuchte, ihr Sicherheit zu geben, während ich mein eigenes Leben als Unternehmer jonglierte und in ihr meinen sicheren Hafen sah.

Wir haben zwei liebenswerte Kater gehalten und schmiedeten gemeinsame Zukunftspläne. Wir hatten sogar einen Umzug ins Ausland im Blick, in das wir uns gemeinsam während eines Urlaubes verliebt haben.

Phase 2 – Wandel

2023 begann sich etwas zu verändern…

Marta wurde Veganerin – nicht nur in der Ernährung, sondern als Teil einer neuen Identität. Sie engagierte sich im Tierrechtsaktivismus, wurde Teil von Gruppen, die für ihre radikale, kompromisslose Haltung bekannt sind. Mit dieser neuen Überzeugung verschoben sich ihre Prioritäten.

Unsere Gespräche drehten sich immer öfter um Moral, Aktivismus und die Frage, ob ich als Partner „genug“ tat.

Nicht mehr für sie – für den Tierrechtsaktivismus.

Und der Satz „Du machst es doch nur für mich und nicht für die Tiere“ wurde in unserer bröckelnden Zweisamkeit zur Normalität…

Ich habe dabei zugesehen, wie sie Scheibe für Scheibe ihre alte Persönlichkeit aufgab. Negative Gedanken, Launenwechsel und Ausbrüche wurden Alltag – spätestens dann, wenn sie sich dazu zwang, immer wieder aufs neue den grausamen, verstörenden Film „Dominion“ zu schauen.

Und da sie es höchstens 10-15 Minuten am Stück schaffte, tat sie es immer und immer wieder, was jedes Mal in einem Wut- und Tränenausbruch endete.

Unsere Freunde und ihre Familie fragten sich immer öfter: 

"Wo ist meine Freundin Tochter Schwester Nichte Cousine geblieben?"

Phase 3 – Der Bruch

Ich gab vieles auf, um ihr entgegenzukommen – teilweise mit Pistole auf der Brust und mit Angst, sie zu verlieren.

Ich stellte meine Ernährung um, gab Hobbys auf, versuchte, mich in dieser neuen Welt zurechtzufinden und Interesse am Aktivismus zu finden. Ich habe sogar mit ihr gemeinsam fremde Menschen auf der Straße „veganisiert“.

Aber es reichte nie ganz. Der Drang, nur noch Menschen um sich zu haben, die dieselben Werte teilten, wuchs. Unsere Zukunftspläne wurden aufgeschoben, schließlich ganz verworfen.

Am Ende verliebte sie sich in jemanden aus der Aktivismusszene – und entschied sich für ein anderes Leben.

Epilog – Die Erkenntnis

Doch es soll hier nicht um Enttäuschung oder Liebe gehen (Enttäuschung ist nicht umsonst das Ende einer Täuschung).

Und auch nicht um Werte, Reifegrad oder moralischen Kompass von Menschen, die sich bewusst in fremde Zweisamkeit einmischen…

Die Wahrheit ist: Sowohl Marta als auch ich sind in dieser Geschichte völlig austauschbar.

Es geht um Entfremdung.

Zwar blieb ich zurück – verletzt, aber auch mit einer wichtigen Einsicht: Diese Erfahrung ist nicht einzigartig.

Überzeugungen können Menschen verbinden, aber auch trennen. Und manchmal verlieren wir dabei nicht nur eine Beziehung, sondern auch ein Stück unserer Menschlichkeit.

Sich radikalisierende Veganer:innen haben Mütter, Väter, Großeltern, Geschwister und Partner, die sich genau jetzt in diesem Zeitpunkt Sorgen um sie machen und fragen: „Kommt mein liebster Mensch jemals wieder oder hat er den „Point-of-no-Return“ bereits überschritten?

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